Neue Musik auf alttestamentarischem Instrument

Harfenist Daniel Noll spielt in der Katharinenkirche.

Neue Musik auf alttestamentarischem Instrument. Harfenist Daniel Noll spielt in der Katharinenkirche.

Bild: Neue Musik auf alttestamentarischem Instrument. Harfenist Daniel Noll spielt in der Katharinenkirche.

Stendal. „Sooft nun der böse Geist von Gott über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So wurde es Saul leichter und es ward besser mit ihm.” Mit diesen Worten ist die therapeutische Wirkung der Musik im Alten Testament belegt. Für den Jütting-Stipendiaten Daniel Noll steht am Sonntag, den 30. März 2014, um 17 Uhr im Musikforum Katharinenkirche eher die unterhaltende Funktion des Harfenspiels im Vordergrund. Der junge Dresdner Nachwuchskünstler entlockt seinem traditionsreichen Instrument nicht Psalter, sondern Werke des 19. und 20. Jahrhunderts. Bei den Konzertstücken begleiten ihn dabei Xenia Meret Blachny und Anna-Maria Reiß (Violine), Margaret Knoblich (Viola) und Richard Glaser-Beisken (Cello).

Zunächst erklingt das Concerto in 3 tempi von François Adrien Boieldieu (1775-1834). Er war in erster Linie als Opernkomponist bekannt, unter dem Einfluss des Instrumentenbauers Sébastien Érard, dem Erfinder der Doppelpedalharfe, schrieb er aber auch Stücke für das Saiteninstrument. Die anschließende Étude Nr. 7 geht auf den Berliner Wilhelm Posse zurück (1852-1925). Er war ebenso Soloharfenist und Tonsetzer wie der nach Amerika emigrierte Franzose Carlos Salzedo (1885-1961), dessen Chanson dans la Nuit zu hören sein wird. Eine Prélude von Sergei Prokofjew (1891-1953) rundet den ersten Teil des Abends ab.

Nach der Pause geht es mit Morceau de concert von Camille Saint-Saëns (1835-1921) weiter. Dieses „Konzertstück” ist eigentlich für Horn geschrieben; Noll spielt ein Arrangement. Der erste Satz enthält ein kunstfertiges Thema mit Variationen, der kurze zweite Satz ist ganz im Stile von Brahms gehalten. In einer kadenzartigen Passage kann der Spieler ein virtuoses Feuerwerk entzünden. Der Kölner Heinz Munkel (1900-1961) unternahm als Solist wie auch als Begleiter namhafter Sänger und Instrumentalisten Konzertreisen im In- und Ausland, bis er sich infolge einer Krankheit ganz der Komposition widmete. Von ihm spielt Noll, der 2005 den Förderpreis der Munkel-Stiftung erhielt, die Prélude in As-Dur. Musikalisch geht es zum Schluss in den anglo-amerikanischen Kulturkreis: Der Fire Dance aus der Petite Suite unseres britischen Zeitgenossen David Watkins gehört zum festen Repertoire von hunderten Harfenisten weltweit. Nach dem Frühling aus dem Zyklus „Die Jahreszeiten” von John Thomas (1826-1913) klingt das Konzert mit dem beschwingten Spaghetti Rag von George Lyons und Bob Yosco aus.

Daniel Noll, geboren 1994, spielt seit seinem achten Lebensjahr Harfe. Er gewann mehrfach einen ersten Preis beim Wettbewerb „Jugend musiziert” und nahm mit Erfolg auch an Ausscheiden in Frankreich und Belgien teil. Er hatte bereits größere Auftritte, die im Rundfunk übertragen wurden, unter anderem in der Kölner Philharmonie. Seit 2011 lebt Noll in Mitteldeutschland. Zunächst war er Schüler am Sächsischen Landesgymnasium für Musik. Seit dem Wintersemester 2013 studiert er an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber” in Dresden. Von der Jütting-Stiftung erhielt er ein Stipendium über 5.000 €.

Karten für 5 € (ermäßigt: 2,50 €; Schüler/Studierende: 0,50 €) sind ausschließlich an der Abendkasse erhältlich.



 
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