Violinsonaten aus drei Epochen

Jütting-Stipendiatin Verena Kurz spielt Bach, Saint-Saëns und Beethoven

Jütting-Stipendiatin Verena Kurz spielt Bach, Saint-Saëns und Beethoven.

Bild: Jütting-Stipendiatin Verena Kurz spielt Bach, Saint-Saëns und Beethoven.

Stendal. Am 25. Januar 2015 beginnt um 17 Uhr im Musikforum Katharinenkirche der diesjährige Kammermusikzyklus der Jütting-Stiftung. Insgesamt neun Stipendiaten werden dabei ihr Können unter Beweis stellen. Das erste Konzert gibt die Geigerin Verena Kurz aus München. Sven Witzemann begleitet sie am Flügel. “Für mein Konzert habe ich drei Sonaten für Violine und Klavier ausgewählt, die repräsentativ für ihre Epoche sind und doch auf je eigene Weise über die Zeit ihrer Entstehung hinausweisen”, erläutert die 22jährige Nachwuchskünstlerin ihr Programm.

Die Sonate Nr. 1 in h-moll von Johann Sebastian Bach ist gewissermaßen ein kammermusikalisches Vermächtnis des Komponisten an die Nachwelt. Sie gehört – wie die übrigen Stücke derselben Reihe (BWV 1014 bis 1019) – zu den ersten Violinsonaten der Musikgeschichte, in denen das Tasteninstrument sich aus der Rolle der akkordischen Begleitung im Basso continuo löst und der Violine als gleichberechtigter Partner gegenübertritt. Die Fantasie, mit der Bach die satztechnischen Möglichkeiten dieser Konstellation auskostete, die formale Vollendung jeder einzelnen Sonate und ihre ganz spezifische Ausdruckswelt machen diese Stücke zu den ersten “klassischen” Duosonaten des Geigenrepertoires. Das Werk entstand noch am Köthener Hof, also vor Bachs Wechsel an die Thomaskirche in Leipzig 1723. Der gesamte Zyklus wurde mehrfach grundlegend überarbeitet, es ist auch eine zusätzlich Stimme für die Gambe erhalten, die Fürst Leopold spielte.

Aus der Epoche der Romantik folgt die Sonate Nr. 1 op. 75 in d-moll von Camille Saint-Saëns. “Das Werk weist durchaus impressionistische Züge auf”, erläutert Verena Kurz. “Es stellt eine Grenzüberschreitung dar, die mit ihrem Facettenreichtum voll Witz und Charme eine äußerst reizvolle interpretatorische Aufgabe für mich ist.” Ursprünglich nur als kleines Duo für Geige und Klavier konzipiert, wuchs sich die Komposition im Herbst 1885 zu einer großen Sonate aus. Ihre ersten Aufführungen waren für Saint-Saëns mehr als ernüchternd, da die Geiger an den virtuosen Anforderungen vor allem des Finales scheiterten. Inzwischen hat die Sonate ihren Schrecken weitgehend verloren und gehört trotz oder sogar wegen ihrer technischen Herausforderungen zu den beliebtesten Kammermusikwerken des französischen Meisters.

Nach der Pause erklingt Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 9 op. 47. Ursprünglich war sie dem Geiger George Bridgetower gewidmet, welcher das Werk am 24. Mai 1803 mit Beethoven zur Uraufführung brachte. Nach dem Auftritt soll es jedoch wegen eines Mädchens zu einem Streit zwischen beiden gekommen sein. Beethoven dedizierte das Werk daher dem französischen Violinisten Rodolphe Kreutzer, der es aber nie gespielt und sogar für unspielbar erklärt hat. Gleichwohl ist das etwa 40-minütige Stück als Kreutzer-Sonate bekannt. Es ist durch Klangfülle, etwa im mehrstimmigen Solo zu Beginn, Virtuosität, überraschende Modulationen, weite melodische Bögen und abwechslungsreiche Sätze charakterisiert.

Karten zu 5 € (ermäßigt: 2,50 €; Schüler/Studierende: 0,50 €) sind nur an der Abendkasse erhältlich.



 
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