Klarinettentrio spielt Schwanengesänge

Clarissa Schmitt aus Weimar steht im Zentrum des nächsten Stipendiatenkonzerts der Jütting-Stiftung am Sonntag, den 22. Oktober.

Clarissa Schmitt aus Weimar

Stendal. Clarissa Schmitt aus Weimar steht im Zentrum des nächsten Stipendiatenkonzerts der Jütting-Stiftung am Sonntag, den 22. Oktober, um 17 Uhr im Musikforum Katharinenkirche. Doch die junge Klarinettistin kommt nicht allein, sondern bringt ihr Ensemble mit: Kamile Zaveckaitė begleitet sie am Klavier, Joel Blido am Violoncello. Der morbide Charme und die elegische Stimmung des beginnenden Herbstes prägen das Programm. Das Trio spielt Spät- oder gar Abschiedswerke diverser Komponisten, die in der Fachsprache oftmals als Schwanengesang bezeichnet werden.
Mit den Drei Romanzen, opus 94, von Robert Schumann (1810-1856) beginnt das Ensemble seine Darbietung. Sie sind ein Geschenk des Komponisten an seine Frau Clara zum Weihnachtsfest 1849. Damals schrieb Schumann vieler solcher kleiner Stücke. Man hat sie wegen ihres durchweg beschaulichen Charakters und ihrer schlichten Formen als Rückzug des Komponisten in die biedermeierliche Idylle gedeutet, ja geradezu als Flucht ins häusliche Glück vor den revolutionären Wirren von 1849 (Dresdner Maiaufstand). Doch in ihrem Bemühen um Schlichtheit des Ausdrucks, der dem Interesse der demokratisch bewegten öffentlichkeit nach allgemein verständlicher Kunst nachkam, entsprachen sie völlig dem Zeitgeist. Anschließend ist die Sonate für Klarinette und Klavier, op.167, zu hören, ein Spätwerk von Camille Saint-Saëns (1835-1921). In seinem Todesjahr konzentrierte er sich nach eigenen Angaben darauf, „den selten bedachten Instrumenten die Möglichkeit zu geben, zu Gehör zu kommen”, darunter auch der Klarinette. Die Sonate bezieht sich in Form und Tonfall auf den galanten Stil des 18. Jahrhunderts und nähert sich damit der neoklassizistischen Bewegung um 1920 an. Sie zeichnet sich durch Humor, Witz und feine Ironie aus. Mit der Hommage à Zoltan Kodály für Klarinette solo geht es nach der Pause weiter. Das zeitgenössischen Stück stammt von Béla Kovács (geb. 1937). Er war Soloklarinettist an der Ungarischen Staatsoper und an der Nationalphilharmonie in Budapest sowie Professor an der dortigen Franz-Liszt-Musikakademie und später an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Mit dem Klarinettentrio in a-moll, op.114, von Johannes Brahms (1888-1897) beschließen die jungen Künstler ihr Konzert. Inspiriert durch den Starklarinettisten Richard Mühlfeld griff der eigentlich schon arbeitsmüde Brahms 1891 noch einmal zur Feder. Dadurch entstand der Prototyp seines Spätwerkes: Die Musik erscheint wie in ein mildes Licht getaucht, es herrschen eine Abgeklärtheit und Stille, die wie ein sanftes Adieu an die Welt wirken.
Clarissa Schmitt wurde 1997 in Köln geboren und wuchs in einem musikalischen deutsch-französischen Elternhaus auf. Mit fünf Jahren bekam sie den ersten Klavierunterricht, mit neun Jahren folgte als zweites Instrument die Klarinette. Schmitt studiert seit 2015 an der Hochschule für Musik „Franz Liszt” in Weimar. Sie spielt in zahlreichen Ensembles und Orchestern, seit 2017 ist sie Soloklarinettistin der deutsch-französisch-ungarischen Philharmonie. Die fünffache Bundespreisträgerin im Wettbewerb „Jugend musiziert” erhielt im November 2016 ein Stipendium der „Hans und Eugenia Jütting-Stiftung”. Sie wird auch vom Richard-Wagner-Verband gefördert und wurde für das traditionsreiche „Marler Debüt” ausgewählt.
Eintrittskarten zu 5 € (ermäßigt: 2,50 €; Schüler/Studierende: 0,50 €) sind nur an der Abendkasse erhältlich.



 
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