Voksstimme vom 27.Januar 2016

Jütting-Preisträger Jan-Felix Schröder sang im Musikforum Katharinenkirche einen ambitionierten Liederabend mit bekannten romantischen Werken. Er präsentierte ihn mit Verve und Charisma.

Von Aud Merkel • Der junge Bariton aus Kiel studiert an der Hochschule “Hanns Eisler” in Berlin bei Prof. Anneliese Fried sowie in den Liedklassen von Prof. Wolfram Rieger und Prof. Thomas Quasthoff. Zum Beginn des Konzertes bedankte sich er sich bei der Jüttting-Stiftung für den mit 8000 Euro dotierten Preis und lud das Konzertpublikum auf sehr persönliche Weise ein, den Geschichten der Lieder und der eigenen Phantasie zu folgen.
Liebeslieder von Schubert
Im ersten Teil erklangen Liebeslieder von Franz Schubert, die Schröder empfindsam und feinsinnig vortrug. Mit tenoralem Timbre und konzentrierter Energie übertrug er jugendliche Liebe zwischen Zartheit und ungestümer Leidenschaft, Goethes Werther gleich. Spätestens beim dritten Lied “Ständchen” war das Publikum gefangen von seinen Intentionen
. Die Lieder “Erstarrung”, “Frühlingstraum” und “Die Post” der Winterreise mischte Jan-Felix Schröder mit Jan-Felix Vertonungen von Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine, was musikalisch ungewohnt, aber insgesamt ganz reizvoll zu hören war. Hier kam in den tieferen Lagen auch sein schöner Baritonklang zum Tragen.
Die folgenden vier Lieder von Richard Strauss nahm Jan-Felix Schröder in großen versponnenen Bögen, sie erreichten aber nicht die Aussagekraft des restlichen Abends. Absolut souverän und charmant kam nach der Pause der Schumann-Zyklus “Dichterliebe” daher. Hier zeigte Schröder noch einmal seine lebendige Gestaltungsvielfalt. Ihm gelang es, den Hörer mit in die verschiedenen Gefühlswelten eines Liebenden zu nehmen, von Verliebtheit, Leidenschaft, Erotik bis hin zu Enttäuschungen, Wut und Versöhnung.
Wiegenlied als Zugabe
Der Pianist Timur Enikeev begleitete Jan-Felix Schröder den ganzen Abend feinfühlig und folgte den Ideen des Gesanges, unterstützte und erweiterte die Aussagen. Schröder ist ein Geschichtenerzähler mit unglaublicher Ausstrahlung und musikalischer Interpretationskraft. Das Publikum war von seinem Vortrag berührt und hörte als Zugabe das Wiegenlied “Guten Abend, gut' Nacht”.



 
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