Volksstimme vom 26.April 2016

Klangvolles Dankeschön in der Katharine. Clara Corinna Scheurle und Norwin Gabriel sind Preisträger der Jütting-Stiftung.

Von Aud Merkel
Stendal • Für das aktuelle Preisträgerkonzert hatte die Jütting-Stiftung zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Solistenkategorien eingeladen. Die Mezzospranistin Clara Corinna Scheurle und der Posaunist Norwin Gabriel Hahn ließen im Konzert jedoch die Gemeinsamkeiten des Singens und der Stimmgestaltung erkennen.
Mit wunderschön musikalisch gestalteten Bögen brachten sie ihre Stücke zum Klingen. Die Jury hatte beide Musikstudenten mit einem Stipendium von je fünftausend Euro ausgezeichnet.
Clara Corinna Scheurle eröffnete mit der Arie “Sta nelllrcana” des aufgewühlten Ruggiero aus Händels Oper Alcina. Dann sang sie vier von Gabriel Faures Venezianischen Weisen, die er insperiert von einer Italienreise 1891 geschrieben hatte. Hier beherrschte die Sängerin ganz den impressionistischen Stil und sang die kleinen Episoden mit einer strömend schwebenden Stimme. Nach kokett vorgetragenen acht Zigeunerliedern aus op. 103 von Johannes Brahms eroberte sie mit der virtuosen Arie der Rosina aus Rossinis “Der Barbier von Sevillia” das Publikum, das sich herzlich bei der Sängerin bedankte.
Nach der Pause spielte der erst 21-jährige Posaunist Norwin Gabriel Hahn einen Choral, eine dramatische Kadenz und ein fulminantes Fugato von Henri Dutilleux. Gleich hier zeigte sich sein großer Ton und seine flexible Stimmfärbung. In der anschließenden Parable XVIII von Vincent Ludwig Persichetti wurde dann hörbar, wie Hahn sein Instrument souverän und ausdrucksstark nutzen kann, um mit quasi menschlicher Stimme oder gar über sie hinaus zu sprechen, zu erzählen, vom klagenden Singen bis hin zum aufgeregten Schimpfen. Auf der kleineren Altposaune, die eine Quarte höher steht als die übliche Tenorposaune, spielte Norwin Garbiel Hahn das Adagio und das Allegro as- sai aus dem Konzert von Georg Wagenseil. Hut ab, wie er auf dem Instrument, das er erst seit vier Monaten spielt, dieses Standard-Bravourstück meisterte. Bei der abschließenden an Filmmusik erinnernde Sonate “Die Stimme des Erzengels Gariels” von Stjepan Sulek zog der versierte Posaunist noch einmal alle Register seiner klanglichen und technischen Register und lieferte ganz großes Kino.



 
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