Volksstimme vom 31. Mai 2016

Trotz Niedrigzinsen steigt Jütting-Kapital auf 11,6 Millionen Euro. Für Stipendien sollen 108.500 Euro ausgeschüttet werden / Im Kuratorium gibt es einen Wechsel zwischen zwei kanadischen Professoren.

Sie leiten die Geschicke der Jütting-Stiftung (von links): Michael Hentschel, Steffi Traufelder, Herbert Wollmann, Ramona Kerst, David Koch, Heinz-Erhard Woltert, Michael Steenbuck, Rolf Mirus, Ulf Drewes, Norbert Wesling, Wolfgang Patzig, Antal Deutsch, Markus Poschke und Gunter Dufey.
Foto: Bernd-Volker Brahms

Von Bernd-Volker Brahms
Stendal • Die Stendaler Jütting-Stiftung kann auch in Zeiten von niedrigen Zinsen das Stiftungskapital weiter erhöhen. Das Kapital lag mit Stand 31. Dezember 2015 bei 11,6 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr waren mehr als 600 000 Euro hinzu gekommen, wie bei der turnusgemäßen Sitzung des Kuratoriums im Stendaler Rathaus bekannt wurde. Gemessen am Kapital ist die Stendaler Stiftung eine der größten in Sachsen-Anhalt.

Strategiewechsel bei der Anlage des Kapitals
Man sei zu einem Strategiewechsel gezwungen gewesen, sagte der amerikanische ökonomieprofessor Gunter Dufey aus Michigan. Während in vorhergehenden Jahren von der Stiftung in festverzinsliche Wertpapiere investiert worden ist, so sei man nun zu Aktien übergegangen. “Wir halten das Risiko durch eine breite Mischung im Portfolio überschaubar”, sagte Dufey. Man sei auf die Erträge fixiert, da nur mit dem Geld Stipendien finanziert werden können.
Für den Stiftungsgründer Hans Jütting (1909-1999) sei es wichtig gewesen, dass die Finanzen durch angelsächsische Experten bestimmt werden, erläuterte Michael Steenbuck, der für die öffentlichkeitsarbeit der Stiftung zuständig ist. Von daher ist nicht nur Dufey im Führungsgremium der Stiftung, sondern auch der amerikanische Finanzverwalter David Koch sowie weitere ökonomen der Mc Gill Universität in Montreal dabei, um das Kapital zu mehren. Laut Stiftungssatzung müssen mindestens 25 Prozent der jährlichen Einnahmen zur Steigerung des Kapitals eingesetzt werden.

Wieder acht Stipendien für talentierte Musiker
Für 2016 stehen als Ausgaben 255.000 Euro zur Verfügung. 108.500 Euro sollen für musikalische und wissenschaftliche Stipendien ausgegeben werden. Für die Stipendien, die den Geförderten zwischen 5.000 und 9.000 Euro einbringen, waren 34 Bewerbungen eingegangen, davon fünf aus Polen. Es wurden acht musikalische Stipendien vergeben, die Musiker werden in Stendal jeweils ein Konzert absolvieren. Beim Bundeswettbewerb “Jugend musiziert” wird ein mit 500 Euro dotierter Sonderpreis für die beste Interpretation eines polnischen Werkes vergeben.
Personell gab es bei der Jütting-Stiftung lediglich eine Veränderung. Aus dem Kuratorium, also dem Aufsichtsrat, ist der 80-jährige Antal Deutsch aus dem Gremium ausgeschieden. Der emeritierte Professor für Volkswirtschaftslehre aus Montreal gehörte dem Gremium mehr als 20 Jahre an. “Hans Jütting hat mich seinerzeit gefragt, ob ich da mitarbeiten möchte”, erzählte er gestern der Volksstimme. Für Antal Deutsch rückt der Professor Markus Poschke nach, der ebenfalls von der McGill Universität in Montreal kommt. Der 37-Jährige ist ein in Brasilien geborener Deutscher, der schon seit zehn Jahren in Montreal an der Universität tätig ist und seit 2013 Wirtschafts-Professor ist.



 
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