Volksstimme vom 01. Mai 2016

Trio streitet, weint und flirtet musikalisch. Geigerin, Cellist und Pianist aus Krakau gaben Dankeskonzert / Musiker werden von Jütting-Stiftung gefördert.

Jacek Podgorski, Jagoda Prucnal und Mateusz Zubik mit den Urkunden der Jütting-Stiftung.

Von Aud Merkel
Stendal • Unter dem Namen “Klaviertrio Kraków” haben sich drei junge Musiker der Kammermusiklasse an der Krakauer Hochschule für Musik zusammengefunden und ein Stipendium höchsten Grades der Hans und Eugenia Jütting-Stiftung Stendal erhalten.
Ihr Dankes-Konzert am Sonntag wurde zusammengelegt mit dem Jahrestreffen des Kuratoriums und des Vorstandes der Stiftung. Der Vorsitzende des Vorstandes Heinz-Erhard Woltert begrüßte die Gäste aus Kanada, den USA und Deutschland und nutzte die Gelegenheit, zwei junge Nachwuchswissenschaftler mit einer monatlichen Förderung von jeweils 550 Euro auszuzeichnen: die Germanistin Julia Kruse für eine Promotion über Heinrich Heines Gefühlswelten und Patrick Günther für seine Forschungen in der molekularen Biotechnologie.

Spritzig-launige Plauderei mit Mozartstück
Im Vordergrund stand jedoch die erfrischend und tief empfunden vorgetragene Musik der Geigerin Jagoda Prucnal, des Cellisten Jacek Podgorski und des Pianisten Mateusz Zubik. Sie spielten zunächst die “Fünf Episoden für Klaviertrio” von Adam Walacinski, eine Reminiszenz an den 2015 verstorbenen Krakauer Geiger, Filmkomponisten und Musikprofessor. Sein aufwühlendes Stück mit stets unterbrochenen Melodien, die nach Frieden suchen, ihn aber nicht finden, spielte das Trio rhythmisch präzise, einig im Ausdruck und seelisch prall gefüllt.
Das Klavier-Trio B-Dur KV 502 vom 30-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart interpretierten die Polen mit Leichtigkeit und jugendlichem Mut. Die spritzig-launige Plauderei, in der jeder einmal mehr oder weniger zu Worte kommt und in der sich alle Stimmen im mittleren und letzten Satz dann doch überwiegend einig werden, spielten die drei Musiker sehr schön aufeinander hörend.
Diese Art, sich die Motive und Gedanken zuzuwerfen, wurde zu einem besonderen Hörgenuss. So auch in Antonin Dvoraks Klaviertrio e-Moll, das sogenannte “Dumky-Trio”. Einzeln sind Prucnal, Podgorski und Zubik starke musikalische Persönlichkeiten mit schon reif ausgeprägtem Gestaltungswillen. Doch im Zusammenspiel, das sie erst seit Sommer 2015 pflegen, entfalten sie eine neue Qualität. Sie können gemeinsam unterschiedlichste Gefühle ganz pur zum Ausdruck bringen, können sich streiten oder auch wie aus einem Munde sprechen, miteinander flirten, miteinander weinen. So wurde Dvoraks facetten- und farbenreiches Werk nachvollziehbar und leicht zugänglich.
Bei dem bewegten Publikum bedankten sich die drei mit dem letzten Satz aus Beethovens Gassenhauer-Trio und zeigte noch einmal musikalische Souveränität.



 
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