Volksstimme vom 25. Oktober 2016

Musikforum wurde zum Opernhaus. Jütting-Stipendiat Andrzej Filonczyk sang mit Bravour / Publikum zutiefst beeindruckt von 22-jährigem Künstler.

Bariton Adrzej Filonczyk bedankte sich für das Jütting-Stipendium mit einem grandiosen Konzert. Foto: Aud Merkel

Von Aud Merkel
Stendal • Schon bei den ersten Liedern wurde klar, hier singt ein zukünftiger Opernstar. Der Bariton Andrzej Filonczyk bedankte sich für das mit 8000 Euro dotierte Jütting-Stipendium im Musikforum Katharinenkirche mit einem grandiosen Konzert. Am Flügel von Katarzyna Sienkiewicz behutsam begleitet, erlebte das Stendaler Konzertpublikum eine große, technisch versierte Stimme von außergewöhnlicher Einschlagskraft.

Gestalterische Mittel souverän eingesetzt
Im ersten Teil erklangen sieben Lieder des polnischen Komponisten Mieczslaw Karlowicz, die sehr feinsinnig und gleichzeitig ausdrucksstark mit voluminöser Stimme interpretiert wurden. Nach der dramatisch vorgetragenen Don-Juan-Serenade aus den Romanzen op. 38 von Peter Tschaikowski sang Andrzej Filonczyk das berührende Liebeslied “Jeg elsker dig” von Edvard Grieg. Der erst 22-jährige Bariton setzte seine gestalterischen Möglichkeiten so souverän und geschickt ein, dass er die Zuhörer mit der Kraft der Musik und der Kraft seiner Stimme zu erreichen vermochte und sie direkt ins Herz traf. Dankbar konnten die Zuhörer auch sein über zwei selten zu hörende, höchst spannende, romantisch geprägte Lieder des sowjet-russischen Komponisten Geogri Swiridow, einem Schüler von Dmitri Schostakowitsch.

“Rosinen mit Mandeln” ließ keinen kalt
Nach der Pause überzeugte Andrzej Filonczyk mit bravourösen Belcanto-Arien, deren übersetzung “Belcanto – Schöngesang” er alle Ehre machte. Bei Arien von Donizetti und Bellini zeigte er sowohl seine lyrischen Fähigkeiten, als auch das Beherrschen intelligenter Nuancen der italienischen Stimmakrobatik. Mit sparsamer aber wirkungsvoller Bühnendramatiksang Andrzej Filonczyk Tschaikowskis erste Eugene-Onegin-Arie und Verdis berühmte, weil so wahrhaftige, Sterbe-Arie des Rodrigo, Marquis von Posa, aus “Don Carlos”. Hier wird klar, wohin diese Stimme und wohin ihr Sänger einmal hingehen, welch Potenzial in ihnen steckt. Grandezza in der Bühnenerscheinung, Grandezza im musikalischen Ausdruck, Grandezza auch in der Programmauswahl. Als Zugabe sang der polnische Bariton das jiddische Schlaflied “Rosinen mit Mandeln” von Abraham Goldfaden, das keinen der Zuhörer kalt ließ. Bravo, Danke für diesen Abend, das Stendaler Publikum war begeistert und zutiefst beeindruckt. Wenn Virtuosität, Schönheit, Gestaltungskraft und Verstand zusammen kommen, dann entstehen Künstler von Format. Von Andrzej Filonczyk wird man in der internationalen Opernwelt noch hören, und zwar nur Gutes.



 
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