Volksstimme vom 01. Februar 2017

Schlagzeug kann auch leise
JüttingStipendiat Alexander Schuchert gab am Sonntag in der Katharine ein Konzert


Stipendiat Alexander Schuchert am großen Marimbaphon . Foto: Aud Merkel

Von Aud Merkel
Stendal • Selten war das Musikforum Katharinenkirche bei einem Konzert der Stendaler Jütting-Stiftung so gut besucht. Der Schlagzeuger Alexander Schuchert lockte mit seinem ungewöhnlichen Instrumentarium viele Zuhörer in das Konzert, und die wurden in ihren Erwartungen nicht enttäuscht.
Alexander Schuchert, der seit 2014 an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar studiert, stellte ein abwechslungsreiches Programm zusammen. Sein Anliegen formulierte er in der Moderation zwischen den Stücken deutlich, er wolle mit zeigen, welch vielfältige Klangmöglichkeiten auf den Schlaginstrumenten möglich seien. Das Vorurteil, Schlagwerk sei immer nur laut und schräg, weil vor allem zeitgenössische Komponisten für diese Instrumente schreiben, konnte er überzeugend aushebeln.
Nach einem fulminanten, körperlich Klang durchdringenden Eröffnungsstück von Per Norgard auf neun verschiedenen Trommeln und einem Vibraphon bedankte sich Alexander Schuchert für das Stipendium und die Einladung zum Konzert. Dann stellte er die vielseitigen, zarten bis prägnanten Klangmöglichkeiten eines großen fünf oktavigen Marimbaphons mit Reflektionen über Natur und Wasser von Jacob Duckmann vor. Dass die Marimba auch als Begleitinstrument geeignet ist, zeigte er bei zwei argentinischen Tangos von Astor Piazzolla, bei denen er die Violinstudentin Olga Jemeljanowa einfühlsam unterstütze.
Flächige, anrührende Atmosphären und virtuoses Spiel mit zwei bis vier Schlägeln gelangen Alexander Schuchert bei Marimbastücken von John Psathas und Yoshi Ishiyngi. Ein besonderer Höhepunkt war das Stück „Asventuras” des Jütting-Preisträgers von 2009 Alexej Gerassimez. Nur auf der kleinen Trommel und zwei Sticks entwickelte sich hier ein orchestrales Feuerwerk. Am Schluss erklang das Vibraphonstück „Broken Silence” von Mark Glenworth, das Alexander Schuchert als Hommage an den im Juli verstobenen Mentor und Solopauker der Münchener Philharmoniker Prof. Peter Saldo spielte.
Das Konzert wurde von Schülern des Rudolf-Hildebrand-Gymnasiums besucht. Musiklehrerin Sylvia Fülle hatte nicht nur einen Konzertbesuch zweier 11. Schulklassen, sondern auch einen Workshop mit Alexander Schuchert in der Schule organisiert. Als Mitglied des Beirats der Jütting-Stiftung lädt sie regelmäßig junge Studenten ein, vor Schülern über ihre Instrumente und ihre Konzertstücke zu sprechen. Alexander Schuchert, der selbst erst durch ein Schlüsselerlebnis zu den Melodieinstrumenten unter den Schlagzeugen wie Vibraphon, Xylophon und Marimbaphon gekommen ist, konnte die Stendaler Schüler für seine Leidenschaft begeistern. Im Konzert dann gelang ihm dies beim gesamten Auditorium.

Bild: Sylvia Fülle vom Beirat der Jütting-Stiftung organisierte einen Workshop und Konzertbesuch für Schüler des Hildebrand-Gymnasiums.
Foto: Aud Merkel



 
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