Volksstimme vom 28. Februar 2017

Junge Cellistin mit großem Ton. Jütting-Stipendiatin begeisterte vollen Saal.

Von Aud Merkel

Vor einer reich gefüllten Katharinenkirche spielte die erst sechzehnjährige Konstanze Pietschmann ihr Stipendiatenkonzert für die Jütting-Stiftung. Die Zuhörer waren begeistert von ihrem souverän dargebotenen Programm mit lyrisch bis virtuosen Kammerstücken für das Violoncello.
Konstanze Pietschmann begann ihre Ausbildung bereits im Alter von drei Jahren und wurde 2016 in die Nachwuchsförderklasse der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig aufgenommen. Auf Grund ihrer außergewöhnlichen Begabung gewann sie bereits mehrere Wettbewerbspreise. In Stendal bekam sie von der Jütting-Stiftung ein Förderstipendium in Höhe von 5.000 Euro.
Nach dem Konzert im Musikforum wurde klar, warum die Jury diese Entscheidung traf. Nicht nur die virtuose Leistung der sehr jungen Interpretin, sondern auch ihr vollständig auswendig vorgetragenes intensives Spiel und ihr Gestaltungswillen machen sie zu einer außergewöhnlichen Hoffnungsträgerin der zukünftigen Musiklandschaft.
Schon bei der Cellosuite C-Dur von Johann Sebastian Bach füllte ihr großer Ton den akustisch nicht immer einfachen Kirchenraum der „Katharine” mit Verve und Wohlklang. Komplizierte Doppelgriffe, lyrische Arpeggien und virtuose Leichtigkeit in der Gigue meisterte Konstanze Pietschmann mit beherzt mutigem, interpretatorischem Zugriff. Bei Tschaikowskys Rokoko-Variationen gewann man gar den Eindruck, hier könnte sie auch über einem Orchester konzertieren. Mit der Aussagekraft einer Solistin zeigte die junge Cellistin die romantisch bis heiteren Farben des Stückes auf. Am Klavier begleitete zurückgenommen die Mutter Uta Pietschmann, die mit einem Lehrauftrag als Solorepetitorin an der Leipziger Musikhochschule bestellt ist.
Nach der Pause erklang ein virtuoses Charakterstück von Carl Davidov, das mit perlend schnellen Wassertropfen einen Springbrunnen beschreibt. Die große romantische Sonate „Arpeggione” von Franz Schubert spielte Konstanze Pietschmann mit herrlich lyrischen und intensiv erzählten Momenten. Das Programm beendete sie mit dem expressiven Stück „Requiebros” von Caspar Cassadó.
Nach einem herzlichen Applaus bedankte sich die Solistin mit einem in großem Bogen gesanglich vorgetragenen „Lied ohne Worte” von Felix Mendelssohn Bartholdy. Viele Zuhörer wünschten der jungen Virtuosin viel Glück für ihre musikalische Zukunft.



 
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