Volksstimme vom 28. März 2017

Mit viel Fantasie. Maximilian Schairer bedankt sich mit fulminantem Konzert für Unterstützung bei Jütting-Stiftung.

Von Aud Merkel

Der 20-jährige Münchner Pianist Maximilian Schairer spielte schon vor Queen Elizabeth II und dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Nun war er in Stendal zu hören.
Foto: Aud Merkel

Unter dem Motto „Fantasie ist wichtiger als Wissen” gab der Jütting-Stipendiant und Pianist Maximilian Schairer aus München in Stendal ein Konzert. Er spielte Beethoven, Skrjabin und Chopin.
Der zwanzigjährige Maximilian Schairer studierte an den Musikhochschulen Leipzig, Stuttgart und München. Die Hans und Eugenia Jütting-Stiftung förderte den begabten Pianisten mit einem Stipendium von 8000 Euro. Im Musikforum Katharinenkirche fand am Sonntag sein fulminantes Konzert statt.
Musiker erläuterte Formen der musikalischen Fantasie
Maximilian Schairer bedankte sich ausdrücklich bei der Jury der Jütting-Stiftung für den Preis und wies in seiner Konzerteinführung auf die verwandtschaftlichen Verbindungen Eugenia Jüttings zum Klavierpädagogen Carl Czerny hin. Damit spannte er den Bogen zu Ludwig van Beethoven, dessen Schüler Czerny war, und seinen Einfluss auf die Entwicklung der Fantasie als musikalische Form. Das gesamte Konzert stellte Maximilian Schairer unter dieses Motto, „Fantasie sei wichtiger als Wissen” zitierte er Albert Einstein und erklärte anschaulich die Entwicklungen und freien Erscheinungsformen der musikalischen Fantasie. Schon beim Kopfsatz der bekannten Beethoven-Sonate cis-Moll op. 27 Nr. 2 „Sonata quasi una fantasia”, der sogenannten Mondscheinsonate, zeigte sich Schairers ganz persönlicher Stil. Er interpretierte das fast wie improvisiert wirkende Adagio mit durchdachter Dramaturgie. Durch bewusste Entscheidungen ließ er die Strukturen von Melodien und Gegenstimmen über einer flächigen Begleitung hervortreten und schuf somit einen neuen Hörzugang.
Alexander Skrjabin bezog sich in seiner Sonate „Fantasie” auf Beethovens Mondscheinsonate. Hier arbeitete Maximilian Schairer wunderbar plastisch schillerndes Glänzen, stilles Plätschern und tosendes Rauschen des Meeres heraus und fand mit abwechslungsreichen Klangfarben zu einer über reine Naturdarstellung hinausgehenden großen Erzählung. Wie bei Beethovens Sonate steht auch das Fantasie-Impromptu von Frederic Chopin in cis-Moll und in Des-Dur und weist weitere ähnlichkeiten auf. Schairer spielt es mit orchestralem vollem Ton und klar zu hörenden Verläufen in den Mittelstimmen und im Bass. Das macht Freude.
Mutig, durchdacht und virtuos vorgetragen
Nach der Pause spielte Maximilian Schairer die letzte Klaviersonate h-Moll op. 58 von Frederic Chopin, die sich ihrer äußeren Form nach an die viersätzige klassische Sonatenformhält, aber auch sehr frei im Sinne einer Fantasie oder eines Nocturns angelegt ist. Schairer lässt hier dramatische Erlebnisse aubrausen, um sie quasi wie im Traum versöhnlich aufzulösen. Mühelos, brillant rasant spielt er die sprudelnden Perlenketten des Finales. Als Zugabe erklang ein elegantes Intermezzo von Manuel Maria Ponce.
Maximilian Schairer spielt mutig, durchdacht und stellt seine Virtuosität ganz in den Dienst der musikalischen Aussage. Bravo!



 
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