Volksstimme vom 25. Oktober 2017

Klarinetten-Facetten
Stipendiatin Clarissa Schmitt begeisterte mit Kammermusik ihr Publikum in Stendal

Von Aud Merkel ā€¢ Stendal ā€¢ Die Klarinettistin Clarissa Schmitt spielte mit ihrem Klaviertrio aus Weimar ein Kammerkonzert im Musikforum Katharinenkirche. Damit bedankte sie sich für ein Stipendium der Hans-und- Eugenia-Jütting-Stiftung.

Die Klarinette gehört zu den jüngeren Orchesterinstrumenten und hat sich spätestens seit Mozart fest im Orchesterklang und mit exponierten Solopartien etabliert. Auch ganze Solokonzerte gehören zum klassischen Repertoire der großen Konzerthäuser. Die in Weimar bei Prof. Thorsten Johanns studierende Clarissa Schmitt zeigte in ihrem Stendaler Konzert, dass die Klarinette auch in der Kammermusik sehr wohl einen veritablen Platz gefunden hat.

Sie begann ihr Programm von Kamile Zaveckaite stets einfühlsam am Flügel begleitet mit ā€žDrei Romanzen op. 94ā€œ, die Robert Schumann für seine Frau Clara zu Weihnachten 1849 geschrieben hat. Clarissa Schmitt greift hier die schlichten Melodien ohne viel Zutun auf und wandelt sie mit ihrem feinen runden Ton in Elegien voll inniger Schönheit.

In der folgenden Sonate op. 167 von Camille Saint-Saens geht es dramatischer zu. Sie beginnt mit einem Allegretto, das gleich zu Beginn alle klanglich möglichen Räume der Klarinette auslotet. In souveränen Läufen durchschreitet Clarissa Schmitt Höhen und Tiefen des Hauptsatzes, als ließe der alternde Saint-Saens in einem seiner letzen Stücke noch einmal sein gesamtes Leben Revue passieren. Der zweite Satz kommt spielerisch und leichtfüßig daher. Hier entwickelt sich eine faunische, übermütige Szenerie, die durchaus an Mendelssohns Sommernachtstraum erinnert.

Dunkel und schwer beginnt der kathedral daherkommende dritte Satz, der dann in ein ernstes Klagelied mündet. Stürmisch aufbrausend lässt es im vierten Satz freudiger Erregung freien Lauf, um dann in seiner Beruhigung zum schönen Hauptthema zurückzufinden. Nach der Pause spielte Clarissa Schmitt ein kurzes Solostück von Bela Kovacs, der es als Hommage an seinen ungarischen Kollegen Zoltan Kodaly mit juchzend-lächelnden Passagen schrieb.

Der Höhepunkt des Konzertabends war das Klarinettentrio a-Moll op. 114 von Johannes Brahms, eine typische Unterhaltung dreier Konversationsteilnehmer in klassischer Sonatenform. Für dieses Stück kam der ausdrucksstarke Cellist Joel Blido hinzu.

Wie drei romantische Freunde, die alles miteinander teilen, die Freude und die leidvollen Empfindungen, tauschen sich die jungen Musiker mit ihren musikalischen Phrasen und Ideen aus. Einer gibt ein Thema vor, ein anderer greift es auf oder widerlegt es. Mal wird geradezu heftig diskutiert und mal verschmelzen alle drei dann zu inniger übereinstimmung. So macht Kammermusik Freude!



 
Seitenanfang