Volksstimme vom 31. Januar 2018

Klangschönheit mit großem Ton Aufaktkonzert der Jütting-Saison
Flötistin Katharina Martini spielte bekannte Melodien und bewies die Kunst des Dramatischen.

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Blumendank von Johannes Schymalla (l.) und Michael Hentschel an Katharina Martini (2.v.l) und Jinju Oh. | Foto: Aud Merkel

Von Aud Merkel • Stendal • Das erste Kammerkonzert der neuen Saison der Stendaler Hans-und-Eugenia- Jütting-Stiftung im Musikforum Katharinenkirche wurde am Sonntag von Stadtmusikdirektor Michael Hentschel erö a net. Er kündigte die neunteilige Konzertreihe mit dem Schwerpunkt Querfl öte, Gesang, Klavierduo und Streichquartett an und verwies auf die überregionale Bedeutung des Jütting-Wettbewerbes. So sei Stendal in Konzert- und Hochschulkreisen in aller Munde, wie beispielsweise durch die Ernennung des Preisträgers Alexander Schuchert zum Professor für Schlagzeug, die Teilnahme der Geschwister Sophie und Vincent Neeb am diesjährigen Schleswig-Holstein- Festival oder die Musikhochschule Frankfurt am Main, an der Katharina Martini derzeit studiert.
Die junge Querflötistin Katharina Martini bedankte sich für ein Förderstipendium bei der Stiftung und spielte Werke mit bekannten Melodien. Gleich bei der einleitenden Sonate BWV 1030 von Johann Sebastian Bach erfüllte sie den Kirchenraum mit großem schönen Ton. Bachs hier schon sehr galanten französischen Stil unterstreicht sie im Andante mit Eleganz, im Largo mit Ausdruckskraft und im Presto mit lebensfrohem Übermut. Die Klavierstimmen, gespielt von Jinju Oh, kommentieren mit Bachs typischem Esprit.
Im Solostück „Syrinx“ zeigte Katharina Martini ihre Formungsvielfalt im Bereich der Klanggebung. Claude Debussy bezieht sich in seiner Kompostion auf eine Geschichte aus Ovids Metamorphosen. Der Hirtengott Pan spielt ein Klagelied auf einem Schilfrohr, in das sich die Nymphe Syrinx verwandelte, um sich seinen Liebesannäherungen zu entziehen.
Auch beim folgenden bekannten Andante KV 315, das Mozart ursprünglich für Flöte und Orchester schrieb, setzte die Solistin ganz auf Klangschönheit.

Leidenschaft von Piazzolla
Nach der Pause erklang die anrührende Melodie Sicilienne op. 78 von Gabriel Fauré in einer Fassung für Flöte und Klavier. Dann folgte ein spannendes Concertino der eher unbekannten französischen Komponistin Cécile Chaminade, das sie 1902 für das Pariser Konservatorium schrieb. Ihr von Katharina Martini wunderbar gespieltes virtuoses Werk zeigt, dass die Querflöte auch Dramatisches erzählen kann.
Mit drei Salonstücken von Astor Piazzolla wurde es zum Ende noch leidenschaftlich und erotisch. Der Meister des argentinischen Tangos holte den Tanz der Straßen und Bars von Buenos Aires in die Konzertsäle der ganzen Welt. Die Verführungskraft der verschiedenen Spielarten des Tangos wurde durch die satte Klangfülle Katharina Martinis in allen Registern verstärkt.
Für das begeisterte Publikum spielte Katharina Martini als Zugabe das Allegro „Tambourin“ von Francois-Joseph Gossec. Am Ende des Konzertes bedankte sich Beiratsmitglied Domkantor Johannes Schymalla bei der Solistin. Auch ihn beeindruckte „der volle runde Ton“ der Solistin und er wünschte ihr eine erfolgreiche Zukunft.



 
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