Volksstimme vom 23. Oktober 2018

Pawel Trojak sang im Musikforum Katharinenkirche

Von Aud Merkel Stendal • Am Sonntag sang der junge polnische Bariton Pawel Trojak im Musikforum der Stendaler Katharinenkirche. Er hatte die Jury der „Hans und Eugenia Jütting-Stiftung" mit seinem Können überzeugt und ein mit 8000 Euro dotiertes Stipendium erhalten.
Bei seinem Konzert gewann er auch die Herzen des Stendaler Konzertpublikums. Nach einer sehr dramatisch und expressiv vorgetragenen „Dichterliebe" von Robert Schumann stellte er in Deutschland eher unbekannte Lieder polnischer und russischer Komponisten vor.
Vom in Polen sehr bekannten Nationalkomponisten Mieczyslaw Karlowicz sang er charmant und überzeugend vorgetragen vier Lieder, die um 1900 entstanden. Karlowicz studierte in Warschau und Berlin. Seine Lieder lassen ahnen, welch großartige internationale Entwicklung sein sinfonisches Schaffen genommen hätte, wäre er nicht mit 26 Jahren bei einem Lawinenunfall zu Tode gekommen.
Die geschickte Zusammenstellung von Liedern Karol Szymanowskis, Hans Pfintzners, Georgy Sviridovs und Carl Loewes zeigte, wie sich die spätromantische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts Länder übergreifend von zarter Empfindsamkeit zur leidenschaftlichen Expression entwickelte.

Seine Erzählungen erreichen die Zuhörer

Im letzten Teil des Konzertes konnte Pawel Trojak mit Opernarien von Mozart bis Strauß seinen schönen Bariton voll ausspielen. In der Oper ist er ganz zu Hause. Mit großer Stimme, die in der Tiefe voll und satt und in der Höhe tenoral glänzend klingt, füllte er das Musikforum wie einen Opernsaal. Während sein Pianist Pawel Sommer die „Dichterliebe" romantisch einfühlsam begleitete, spielte er hier herrlich orchestral und zupackend.
Pawel Trojak ist ein Bariton, der mit 23 Jahren schon über ein enormes Stimmmaterial verfügt. Er kann sowohl große Bögen schön lyrisch führen als auch dramatische Energie aufbringen, die aber immer im Dienste der Aussage steht. Egal ob er polnisch, russisch, italienisch oder deutsch singt, seine Erzählungen erreichen den Zuhörer. Seine Lust an theatraler Darstellung gepaart mit souveräner Stimmtechnik prädestinieren ihn für die Bühne. Pawel beeindruckte das Publikum mit seiner schönen Stimme und seiner leidenschaftlichen Gestaltungskraft.



 
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