Hans und Eugenia Jütting Stiftung

Pressemitteilung


Holzbläsertrio spielt moderne Musik

Stendal. Die Münchner Fagottistin Anna Ernst, der Berliner Klarinettist Julius Engelbach und der Pariser Oboist Lennart Höger sind das Trio Marin. Dieses internationale Ensemble wird im Rahmen der Konzertreihe der Jütting-Stiftung am Sonntag, den 24. März 2019, um 17 Uhr im Musikforum Katharinenkirche zu hören sein – und zwar mit überwiegend modernen Werken.
Zu Beginn erklingt allerdings das Divertimento in B-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 439b. Ursprünglich war es für drei Bassetthörner komponiert, die in der Klassik sehr populär waren. Als sie in Vergessenheit gerieten, schrieben die Verleger es für Fagott, Klarinette und Oboe um. Der Charme des Divertimentos liegt in seiner kompakten Form und in seinem schwerelosen Satz. Die gesamte Rhetorik der großen Sinfonien und Klavierkonzerte Mozarts ist vorhanden, doch verkleinert auf die Perspektive eines Guckkastens.

Trio Marin

Die Münchner Fagottistin Anna Ernst, der Berliner Klarinettist Julius Engelbach und der Pariser Oboist Lennart Höger sind das Trio Marin.

Alle übrigen Werke des Abends stammen dann von zum Teil eher unbekannten Künstlern aus dem 20. Jahrhundert. Von dem Prager Erwin Schulhoff kommt etwa ein Divertissement aus dem Jahr 1927 zur Aufführung. Es ist ein typisches Produkt der goldenen Zwanziger, enthält es doch einen Charleston und manches andere, was vom damaligen Geist und den Sehnsüchten zeugt: Eine Mischung aus herben Dissonanzen, freier Tonalität, neobarocker Rhythmik und einer frech-frivolen Charakterisierungskunst. Der Bläsersatz ist überaus fein und wirkungsvoll gearbeitet, manchmal auch grell, ja fast schrill. Nach der Pause geht es mit Georges Auric weiter. In den 1930er Jahren, der Zeit der ersten Tonfilme mit Musik, schrieb er sein Trio für Oboe, Klarinette und Fagott, ein Werk von klarer, unprätentiöser Form. Es wirkt im ersten Satz spitz und verspielt, in der Romanze des Mittelsatzes samtweich und zärtlich, im Finale pikant und leicht. Das „Trio d’anches“ geht auf Heitor Villa-Lobos zurück, den Begründer der brasilianischen Musik. Er arbeitete sich durch autodidaktische Studien vom Straßenmusiker zum Staatskünstler hoch, gründete 1942 das Konservatorium und 1945 die Musikakademie in Rio. Über sein Trio aus dem Jahr 1921 schrieb ein Kritiker: „Die große Stärke seiner Musik ist ihre Spontaneität. Diese Frische kann den gelehrtesten Hörer wie den naivsten überzeugen, sie bringt ihre Wirkung durch Farbe, rhythmische Energie und die pure Schönheit ihrer Melodien hervor, aber vor allem durch ihre magischen Klangfarben, die selbst in Chor- und Kammermusik den Eindruck orchestraler Brillianz erwecken.”
Karten zu 5 € (ermäßigt: 2,50 €; Schüler/Studierende: 0,50 €) gibt es nur an der Abendkasse.