Hans und Eugenia Jütting Stiftung

Volksstimme vom 30. April 2019: "Franz Liszt"-Schüler zwischen Düsternis und Freude


Jütting-Stipendiat Johann Daniel Schneider spielte in der Katharine / Repertoire reichte von Beethoven bis Schubert.

Von Aud Merkel
Stendal
Die Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar hat schon seit DDR-Zeiten einen guten Ruf. Am angegliederten Musikgymnasium auf Schloss Belvedere werden junge Nachwuchsmusiker mit intensiven Unterricht auf das Studium vorbereitet. Diesen Weg geht auch der 1999 geborene Johann Daniel Schneider, der in Weimar bei Prof. Christina Film Müller im Fach Klavier studiert.

Johannes Schneider zeigte sein Können.

Johannes Schneider zeigte sein Können.
Foto: Aud Merkel

Die Jury der Stendaler Jütting-Stiftung wählte Johann Daniel Schneider für ein mit 5.000 Euro dotiertes Stipendium aus. Für dieses bedankte sich der junge Künstler sehr herzlich und betonte, wie viele heute bekannte Musiker einst eine solche Auszeichnung erhalten hatten. Damit der angestrebte Musikerberuf nicht „eine brotlose Kunst bleibt“, sei es begrüßenswert, dass es solche Fördermöglichkeiten gäbe.
Johann Daniel Schneider erklärte in seiner Moderation auch seine Programmauswahl, deren Stücke einmal durch die Klavierliteratur streiften. Er verwies auf die musikalischen Querverbindungen unter den gespielten Komponisten. Ludwig van Beethoven würde sich auf Bach beziehen, was man dann auch deutlich in der gewählten Sonate A-Dur op.101 hörte, und war Vorbild für Franz Schubert. Sergej Rachmaninoff hatte sich an Beethoven orientiert.
Von Johann Sebastian Bach erklangen zu Beginn die nicht so oft im Konzert vorgetragenen Präludien und Fugen in Cis-Dur und cis-Moll aus dem zweiten Teil des Wohltemperierten Klaviers, die zunächst etwas unspektakulär und geistig versunken daherkamen, dann aber in der letzen Fuge eine gewisse Dynamik erfuhren.
Die Idee des jungen Pianisten für die a-Moll Sonate D 784 von Franz Schubert setzte er ungewöhnlich zelebrierend um. In dem Werk, dass 1823 entstand seien das Leiden von Schuberts schwerer Krankheit und seine Sehnsucht nach Liebe zu hören. Im ersten Satz überwog die düstere Dramatik, im zweiten die Vielschichtigkeit unterschiedlicher Gemütslagen und im dritten Satz die von Angst gehemmte und unterbrochene angestrebte, unbekümmerte Freude.
Auch bei Beethoven sei stets das Spannungsfeld zwischen Gefühl und Verstand verarbeitet. Schneiders Konzept für die Beethoven-Sonate war ein philosophisches. Er wollte zu Gehör bringen, dass die Eingangs gestellte Frage nach dem Sinn des Lebens im letzten Satz mit einer einfachen Idee zu beantworten sei, Freude.
Beim abschließenden vollgriffigen Rachmaninoff zeigte Johannes Daniel Schneider noch einmal sein technisches Können. Das Publikum war zahlreich erschienen freute sich über einen Klavierabend mit bekannten Komponisten und neuen Hörerfahrungen.